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kronenfest1Eines der schönsten bäuerlichen, ausschließlich von der konfirmierten und noch unverheirateten Jugend gestalteten Feste in vielen Dörfern Siebenbürgens war das Kronenfest. Es fiel in die Zeit der Erntevorbereitung und war geprägt durch die leuchtenden Farben einer hoch aufgerichteten Blumenkrone, durch den Aufmarsch trachtengeschmückter Paare und durch Tanz und Frohsinn.

Schon 1764 erwähnte Martin Felmer, Stadtpfarrer von Hermannstadt, diesen„Gebrauch“, der am Johannistag (24. Juni) oder zu Peter und Paul (29. Juni) in den sächsischen Ortschaften vor allem im sogenannten „Alten Land“, dem Gebiet zwischen den Flüssen Alt und Kokel, gefeiert wurde. Die Wurzeln des Festes um die blumengeschmückte „Krone“ liegen wahrscheinlich in den vorchristlichen Sonnwendfeiern. Dass es sich beim Kronenfest – einer Wiederholung der Mai- und Pfingstbäume – nicht nur um einen bei den Siebenbürger Sachsen üblichen Brauch handelt, zeigt etwa der Tanz um die Johanniskrone in Belgien, in Holland und am Niederrhein.

kronenfest3Als Erntebittfest blieb das Kronenfest in einigen Dörfern im „Alten Land“ bis heute erhalten. So wie die Trachtenlandschaft der Siebenbürger Sachsen einzigartig und doch so unterschiedlich ist, war auch das Kronenfest von Dorf zu Dorf verschieden. Überall stand der Kronenbaum im Mittelpunkt: Einige Tage vor dem Fest schon wurde von der „Bruderschaft“, der Gemeinschaft der jungen Burschen, ein gerader Buchen-, Eichen-, Tannen- oder Birkenstamm aus dem Wald geholt und geschält. Dieser wurde dann von den Mädchen des Dorfes, der „Schwesterschaft“, an der Spitze mit einer aus Wintergrün und Blumen gefertigten Krone versehen, welche in allen Orten in Form und Blumenart verschieden war – in Kerz etwa war die typische Blume die Johannisblume, in Scholten die Lilie, in Scharosch waren es weiße Margeriten, in Großscheuern violette Vogelwicken, in Bekokten, Braller und Meschendorf die großen, roten Kreuzblumen, in Malmkrog verschiedene Wiesenblumen. In manchen Orten mussten die Blumen am Johannistag gepflückt werden und wurden dann bis zum Fest im Keller aufbewahrt.

Die Basis der Krone bildete meist ein Wagenrad, auf das die Krone aufgesetzt wurde, die als einfache oder als Doppelkrone, als Pyramide oder als Kugel aus Fassreifen gefertigt sein konnte. Außer der Krone flochten die Mädchen am Vortag des Festes oft auch Sträuße für die Hüte der Burschen und Kränze. Diese wurden in Streitfort von den Burschen vom Johannisbaum herabgeschüttelt. Da sie Glück bringen sollten, stürzten sich die Kinder auf sie, um ein Geschenk aus der Sonnenhöhe heimzutragen. Ähnlich war der Brauch des Kranzabschneidens in Deutsch-Weißkirch. Beim Kränzeschütteln pflegten die Mädchen in Streitfort das Lied vom kleinen, wilden Vögelein zu singen:

Et fluch e kli walt Vijeltchen Es flog ein klein wild Vögelein
Vu Mebrich flug et eous. Von Meeburg flog es aus.

Das Vögelein lockte einen Burschen herbei, der Rosen brechen wollte, die längs des Weges standen. Doch er fand nur Brennnesseln zum Kränzebinden. Nach dem Flechten der Blumenkrone und der Kränze gingen die Mädchen am Vorabend des Festes im „Heischegang“ singend von Haus zu Haus. Vor jedem Haus wurde ein Lied gesungen und gerufen: „Kommt und seht unseren Kron!“ Die Sängerinnen erhielten als Belohnung Eier und andere Lebensmittel für ihre Tanzunterhaltung. Nach dem Gottesdienst am Sonntag und dem anschließenden häuslichen Mittagessen versammelte sich die gesamte Gemeinde beim Kronenbaum. Dabei wurde mancherorts die Krone von der gesamten Jugend in geordnetem Zug, angeführt vom Altknecht und der Altmagd und den Anführern der Jugend, erst zum Baum gebracht und dann auf dessen Spitze aufgesetzt.

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Einer der Burschen musste anschließend – vorher bestimmt oder im Wettbewerb – bis zur Krone hinaufklettern, wo ein Geschenkkorb für ihn aufgehängt war. Allerdings musste er dann von oben auch eine wohlgesetzte Rede halten, in der er die Gäste begrüßte und Glückwünsche auf das Herrscherhaus, den Pfarrer, Prediger, Lehrer, das Ortsamt usw. ausbrachte. Bei jedem Wunsch langte er zur Flasche, die in der Krone hing, und zum „Klotsch“, der ebenso dort für ihn bereitet war. Von unten wurde das „Vivat!“ laut wiederholt. Darüber hinaus gab es Mahnungen und Ratschläge an alle zu einem maßvollen und hilfsbereiten Zusammenleben, und nicht zuletzt wurde Gott für die Verschonung vor Naturgewalten gedankt und seine Hilfe für eine gute Ernte erbeten. Zum Schluss regnete es Süßigkeiten und Geschenke für die Kinder aus der Krone herab, ehe der Bursch wieder hinunterstieg und, unten angekommen, den Wein mit seinen Freunden und anwesenden kirchlichen oder staatlichen Autoritäten teilte. Anschließend begann die Musik zu spielen, und die Altmagd und der Altknecht eröffneten unter dem Applaus der versammelten Gäste den Tanz – die Jugend umtanzte die Krone und wurde dabei von den Älteren sowohl bewundert als auch auf die Paarbildung hin geprüft, denn das Kronenfest war immer auch ein wenig Heiratsmarkt.

Es folgte gesellige Tanzunterhaltung unter der Krone oder beim anschließenden Kronenball, meist bis spät in die Nacht hinein. Nach dem Kronenfest begann für die Jugend die Zeit, in der sie nicht mehr tanzen durfte: Vom „Peter-und-Pauls-Tag“ an wächst das Korn nicht mehr, sondern es trocknet ein – „Piter- uch Palsdoch dem Kiurn de Wurzel braoch“ (Peter-und-Pauls-Tag dem Korn die Wurzel brach) –, aber mit der wachsenden Nacht wächst zugleich „det Kuckerutz“ (der Mais). Darum gibt es jetzt Arbeit in Fülle, die keine Zeit mehr zu Fest und Feier lässt. Es sind die Wochen der „nidigen Arbet“. Erst die Herbsttage mit dem Martinstag, an dem der Burghüter mit dem traulichen Acht-Uhr-Läuten beginnt, der „Bennengovent“ (Benedikt, 12. November) und der „Katrengenovent“ (Kathrein, 25. November) mit Tanzunterhaltung und allerlei Bräuchen laden zu wohlverdienter Rast und neuerworbenem Recht auf Genuss und Freude ein.

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In der aktuellen Ausgabe des Magazins BRAUCHma! (Nr. 272) gibt es einen umfassenden Bericht zum Kronenfest. Unter anderem wird beschrieben, wie das Kronenfest heute in Siebenbürgen aber auch wie es in Wels gefeiert wird. Nachzulesen ist auch die Kronenpredigt!Hier können Sie das Magazin BRAUCHma! abonnieren (Jahresabo: 12 Euro, 4 Ausgaben).

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